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Friedrich Schiemann
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Friedrich Schiemann
Katalog - Sein Werk

Der Katalog ist in einer Restauflage im Rahmenstudio, Grunerstraße 40 in Düsseldorf, noch erhältlich.

DER MODERNE ZUGEWANDT

Friedrich Schiemann, 1918 geboren in Hüls, Kreis Recklinghausen, wuchs in einer Bergmannsfamilie in Dortmund auf. Seine zweite Heimat war die seiner Mutter: Bad Oeynhausen. Er war der Enkel des 1936 verstorbenen Bildhauers Aloys Janik.

Der ,,Pütt" vermittelte ihm früh den rechten Eindruck einer modernen, vorwärtsstrebenden Zeit. Beinahe wäre er Zeichenlehrer geworden, denn schon vom 16. Lebensjahr an war ihm der Zeichenstift lieber als die Logarithmentafel.
 

Nach Abitur, Staatsexamen als Lehrer, Soldatsein und Gefangenschaft bezog der 27jährige 1946 die Kunstakademie in Düsseldorf und wurde Schüler bei Prof. Hauser und später erster Meisterschüler der Akademie nach dem Kriege bei Prof. Pankok.

Katalog - Photographien

Kaum noch vorstellbar, das Ausstellungen wie die französische ,,Von Cézanne bis Picasso", 1946 im Hetjensmuseum und alles schon Vorhandene, bis dahin Unbekannte, nunmehr Sichtbare, wie Steinschlag um und auf die ahnungslosen Köpfe polterte und diese Erlebnisse und nächtelange Debatten den Schülern mehr zu kauen gaben, als das trockene Brot der Akademie. Was Wunder, daß man von Kirchner, Heckel, Nolde beeinflußt wurde, daß man alles in sich hineinschlingen, er- und verarbeiten und von sich lassen mußte. Was davon blieb wurde Besitz. Manches, bisher Gültige zerbröckelte. Eine klare Grundlage für das eigene Schaffen entsteht. Dazu kommt das Rüstzeug, das die Akademie noch geben kann. Friedrich Schiemann verließ die Akademie 1950 und blieb als freischaffender Künstler in Düsseldorf.


Im Kunstverein für die Rheinlande und  Westfalen  wurden  am 11.07.1953 zwei Ereignisse besonders gewürdigt: die Verleihung des Cornelius-Preises, sowie eine umfangreiche Nolde-Ausstellung.
Am Corneliuspreiswettbewerb nahmen seinerzeit 141 Maler und Bildhauer aus allen Teilen des (alten) Bundesgebietes mit etwa 500 Arbeiten teil. Ausgezeichnet wurden durch das Preisgericht zwei Maler und zwei Bildhauer. Zur allgemeinen Überraschung wurde der Preis an Prof. Teuber (Kunsthochschule Berlin) und - als einem der Jüngsten - an Friedrich Schiemann verliehen, überreicht von Oberbürgermeister Gockeln, den alten Düsseldorfern wohl bekannt. Er danke, so sagte Schiemann in seiner Ansprache, besonders für die Aufgeschlossenheit, auch den jüngeren, noch nicht arrivierten Künstlern gegenüber. Besonders in diesem Fall sei die Pädagogik des Unterfangens nicht zu unterschätzen. Der Preis habe ihm eine innerlich festigende Kraft verliehen, er sei so der Markstein einer Lebenswende geworden, und zwar nicht durch seine materiellen Vorteile, denn über materielle Schwierigkeiten komme man ,,mit Humor und dickem Fell" hinweg. Die Schwierigkeiten des Künstlers seien vielmehr in den Problemen der Gestaltung und Formgebung zu suchen. Der Preis sei ihm und den anderen Preisträgern Ansporn. Die zahlreichen Gäste sparten nicht mit Beifall.

Eine Kollektivausstellung 1955 mit dem Bildhauer Norbert Kricke im Kunstverein  folgte. Schiemann ließ sich von E.W. Nay beeinflussen. Er heiratete die Tochter des Hals-Nasen-Ohren-Arztes im Augustakrankenhaus, Dr. Cürten.

Der Künstler wußte zu dieser Zeit sehr genau, daß in dieses gespannte Nachkriegsdeutschland auch eine neue Kunst gehörte. Es mußte modernes Terrain zurückgewonnen werden. Sein abstrakter Stil verstand sich als expressive Distanz zwischen der aufgelösten Form und einer optisch figürlich nachweisbaren Welt, die uneingeschränkt wieder Geltung erlangen mußte, um eine klare Position gegenüber dem Nationalsozialismus zu beziehen, ähnlich wie die Gemälde von Wols und Nay, die 1959 die neue deutsche Position auf der Kasseler Documenta so deutlich machten. Im Gegensatz zu seinen Vorbildern baute Schiemann die ,,Komposition" weiterhin aus, gab seinen Bildern beispielsweise Mittelachsen aus Stäben und Kelchen, der Pinsel wurde in breiter werdenden Strichen geführt.

Über mangelnde Präsenz in öffentlichen und privaten Kunstsammlungen konnte er sich nicht beklagen. Dies zeigten Ankäufe des Kultusministeriums NRW und Museen in Düsseldorf, Krefeld, Wuppertal, Neuss und Duisburg. Neben vielen Ausstellungen in und um Düsseldorf führte sein Weg auch nach München, Freiburg, Brüssel und Paris. In privaten Sammlungen ist er u.a. in Kairo, Beirut, Rom, Paris, London, Washington und Chicago vertreten.

Schiemann war 1975 Gastdozent der Gesamthochschule Bochum. Um diese Zeit war es um ihn, dem Düsseldorfer Maler aus Westfalen, stiller geworden. Dem kommerziellen Galeriebetrieb immer distanziert gegenüberstehend, Trennung der Familie, häufige Studien- und Arbeitsreisen nach Korsika, Frankreich, Spanien und immer wieder nach Griechenland entfernten ihn von der Stadt seines großen Erfolges. Der gebildete Verstand und die philosophische Betrachtungsweise der Dinge sowie seine unmaterielle Lebensweise verhinderten, über das malerische Experiment in eine Programmalerei zu geraten. Im sicheren Besitz seiner zeichnerischen und abstrahierenden Grundlagen und Mittel entstanden in dieser Lebensphase in farbenfroher Ausbreitung neben Porträts, Gouachen und Ölbildern hauptsächlich Aquarelle.

Von Griechischen Inseln und Küsten wußte er Anfang der 80er Jahre in einer Reihe von Einzelausstellungen seinen treuen Verehrern in und um Düsseldorf zu berichten, bis er sich entschloß, mit dem jungen Team Jakob und Nolte, H. u. M. Rahmengalerie, zusammenzuarbeiten und hier ein neues Atelier in der Grunerstraße 13 bezog. Sein von der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekanntes Spätwerk entstand in der relativ kurzen Zeit zwischen dem 12.09.1989, dem Tag seines ersten Ölbildes nach längerer Atelierpause, bis einen Tag vor seinemTod, dem 17.05.1991. Er starb 72jährig in Düsseldorf an einem Gefäßleiden.

UMD

Aus dem Katalog “Abstrakte Malerei 1918 - 1991”, copyright: h&m - Rahmengalerie, 1991

 

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