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Im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen wurden am 11.07.1953 zwei Ereignisse besonders gewürdigt: die Verleihung des Cornelius-Preises, sowie eine umfangreiche
Nolde-Ausstellung. Am Corneliuspreiswettbewerb nahmen seinerzeit 141 Maler und Bildhauer aus allen Teilen des (alten) Bundesgebietes mit etwa 500 Arbeiten teil. Ausgezeichnet wurden durch das Preisgericht zwei Maler und
zwei Bildhauer. Zur allgemeinen Überraschung wurde der Preis an Prof. Teuber (Kunsthochschule Berlin) und - als einem der Jüngsten - an Friedrich Schiemann verliehen, überreicht von Oberbürgermeister Gockeln, den alten
Düsseldorfern wohl bekannt. Er danke, so sagte Schiemann in seiner Ansprache, besonders für die Aufgeschlossenheit, auch den jüngeren, noch nicht arrivierten Künstlern gegenüber. Besonders in diesem Fall sei die Pädagogik des
Unterfangens nicht zu unterschätzen. Der Preis habe ihm eine innerlich festigende Kraft verliehen, er sei so der Markstein einer Lebenswende geworden, und zwar nicht durch seine materiellen Vorteile, denn über materielle
Schwierigkeiten komme man ,,mit Humor und dickem Fell" hinweg. Die Schwierigkeiten des Künstlers seien vielmehr in den Problemen der Gestaltung und Formgebung zu suchen. Der Preis sei ihm und den anderen Preisträgern
Ansporn. Die zahlreichen Gäste sparten nicht mit Beifall.
Eine Kollektivausstellung 1955 mit dem Bildhauer Norbert Kricke im Kunstverein folgte. Schiemann ließ sich von E.W. Nay beeinflussen. Er heiratete die
Tochter des Hals-Nasen-Ohren-Arztes im Augustakrankenhaus, Dr. Cürten.
Der Künstler wußte zu dieser Zeit sehr genau, daß in dieses gespannte Nachkriegsdeutschland auch eine neue Kunst gehörte. Es mußte modernes Terrain
zurückgewonnen werden. Sein abstrakter Stil verstand sich als expressive Distanz zwischen der aufgelösten Form und einer optisch figürlich nachweisbaren Welt, die uneingeschränkt wieder Geltung erlangen mußte, um eine klare
Position gegenüber dem Nationalsozialismus zu beziehen, ähnlich wie die Gemälde von Wols und Nay, die 1959 die neue deutsche Position auf der Kasseler Documenta so deutlich machten. Im Gegensatz zu seinen Vorbildern baute
Schiemann die ,,Komposition" weiterhin aus, gab seinen Bildern beispielsweise Mittelachsen aus Stäben und Kelchen, der Pinsel wurde in breiter werdenden Strichen geführt.
Über mangelnde Präsenz in öffentlichen und
privaten Kunstsammlungen konnte er sich nicht beklagen. Dies zeigten Ankäufe des Kultusministeriums NRW und Museen in Düsseldorf, Krefeld, Wuppertal, Neuss und Duisburg. Neben vielen Ausstellungen in und um Düsseldorf führte
sein Weg auch nach München, Freiburg, Brüssel und Paris. In privaten Sammlungen ist er u.a. in Kairo, Beirut, Rom, Paris, London, Washington und Chicago vertreten.
Schiemann war 1975 Gastdozent der Gesamthochschule
Bochum. Um diese Zeit war es um ihn, dem Düsseldorfer Maler aus Westfalen, stiller geworden. Dem kommerziellen Galeriebetrieb immer distanziert gegenüberstehend, Trennung der Familie, häufige Studien- und Arbeitsreisen nach
Korsika, Frankreich, Spanien und immer wieder nach Griechenland entfernten ihn von der Stadt seines großen Erfolges. Der gebildete Verstand und die philosophische Betrachtungsweise der Dinge sowie seine unmaterielle Lebensweise
verhinderten, über das malerische Experiment in eine Programmalerei zu geraten. Im sicheren Besitz seiner zeichnerischen und abstrahierenden Grundlagen und Mittel entstanden in dieser Lebensphase in farbenfroher Ausbreitung
neben Porträts, Gouachen und Ölbildern hauptsächlich Aquarelle.
Von Griechischen Inseln und Küsten wußte er Anfang der 80er Jahre in einer Reihe von Einzelausstellungen seinen treuen Verehrern in und um Düsseldorf zu
berichten, bis er sich entschloß, mit dem jungen Team Jakob und Nolte, H. u. M. Rahmengalerie, zusammenzuarbeiten und hier ein neues Atelier in der Grunerstraße 13 bezog. Sein von der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekanntes
Spätwerk entstand in der relativ kurzen Zeit zwischen dem 12.09.1989, dem Tag seines ersten Ölbildes nach längerer Atelierpause, bis einen Tag vor seinemTod, dem 17.05.1991. Er starb 72jährig in Düsseldorf an einem Gefäßleiden.
UMD
Aus dem Katalog “Abstrakte Malerei 1918 - 1991”, copyright: h&m - Rahmengalerie, 1991
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